Agiles oder klassisches Projektmanagement entscheidet oft darüber, ob Sie ein Projekt sicher steuern oder sich unnötige Risiken ins Haus holen. Denn die falsche Methode kostet Zeit, erschwert Entscheidungen und bringt Teams schnell aus dem Takt.
Agiles Projektmanagement ist seit Jahren populär und viele Projektleitende sollen heute agile Fähigkeiten beherrschen. Doch agil passt nicht automatisch zu jedem Projekt.
Wann bietet ein klassischer Ansatz mehr Sicherheit und wann spielt Agilität ihre Stärken aus? Sie erfahren, wie sich beide Ansätze unterscheiden und wann ein hybrides Vorgehen sinnvoller ist. So wählen Sie Ihre Methode passend zu Anforderungen, Planungssicherheit und Veränderungsdynamik.
Klassisches Projektmanagement eignet sich besonders für gut planbare Projekte mit klaren Anforderungen und stabilen Zielen. Auch stark regulierte Projektumgebungen profitieren von diesem Ansatz.
Agiles Projektmanagement spielt seine Stärken aus, wenn Anforderungen noch nicht vollständig feststehen. Kurze Iterationen und regelmäßiges Kundenfeedback schaffen dabei mehr Flexibilität.
Beim Vergleich agiles vs klassisches Projektmanagement entscheidet vor allem die Frage, wie flexibel Sie Ihre Projektziele gestalten können.
Hybrides Projektmanagement verbindet beide Ansätze und eignet sich für Projekte mit unterschiedlich gut planbaren Teilbereichen. So können Sie beispielsweise Hardware klassisch und Software agil steuern.
Die beste Methode gibt es nicht. Entscheidend ist, dass Sie Vorgehen und Werkzeuge gezielt an Ihr Projekt und dessen Rahmenbedingungen anpassen.
Diese Kapitel warten auf Sie:
Legen wir los mit dem Projektmanagement-Methoden Vergleich!
Beim Blick auf die Geschichte des Projektmanagements wird schnell klar, vor welchem Hintergrund klassische vorausplanende Methoden entstanden. Werkzeuge wie
Gantt-Charts für zeitliche Darstellungen (entstanden 1910) oder
PERT & CPM für Abhängigkeiten (entstanden 1958)
sowie Organisationen wie
kommen aus einer Zeit mit vielen Großprojekten von längerer Dauer. Zu der Zeit ging es vorrangig um Ingenieursprojekte mit hohem mechanischem Anteil.
Dabei waren die Ziele bis zum Ende zumindest theoretisch durchdacht und die Umsetzung von Änderungswünschen teuer. Insofern wurden Änderungen auch häufig als Störungen betrachtet. Die Zielerreichung stand unverrückbar im Mittelpunkt.
Klassische Projektmanagement-Methoden bieten also viele Vorgehensweisen für Kontrolle und Steuerung. Auch heute noch sind sie gut für Branchen wie Bau, Anlagenbau, Pharma und einige andere.
Unser Tipp: Planen Sie ein Projekt, bei dem die Anforderungen von vornherein weitgehend feststehen und sich die Arbeit gut durchplanen lässt, so sind klassische Projektmanagement-Methoden gut für Sie geeignet.
Auch in Umgebungen mit hohen gesetzlichen oder regulativen Vorgaben werden sich klassische PM-Methoden voraussichtlich bewähren.
Agiles Projektmanagement mit seinen Methoden ist neuer und kommt aus der Softwareentwicklung (mit einiger Inspiration durch Ideen des Lean Manufacturing).
Agile Projektmanagement-Methoden zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
Letzteres stellt auch das das Agile Manifest von 2001 klar mit folgenden Leitsätzen:
Die aufgezählten agilen Prinzipien des Manifests setzen allesamt den Schwerpunkt auf Interaktion. Sie wollen etwas von starren Prozessabfolgen und Bürokratie wegkommen.
Bei Scrum wird anstelle von ausführlichen Produktspezifikationen ein Product Backlog mit User Stories erstellt. Diese beschreiben Wünsche aus User-Sicht. Auch wird das Product Backlog im Laufe der Entwicklungsprozesse schrittweise weiter ausgearbeitet und ist dadurch ein „lebendiges“ Artefakt.
Die Planung der zu erledigenden Arbeit findet in Abstimmung mit Stakeholdern zu Beginn eines Sprints für den Zeitraum des jeweiligen Sprints statt. Danach erfolgt die Planung durch das Entwicklerteam auf täglicher Basis im Daily Scrum.
Am Ende eines jeden Sprints wird dann zurückgeblickt:
Neben dieser puren Form von Scrum gibt es noch weitere „Spielarten” wie etwa Reliable Scrum (mit Critical-Chain-Elementen), oder auch andere agile Werkzeuge. Dazu gehören z.B. Kanban-Boards, bei denen es keine Rollen gibt, da sie einfach nur der Visualisierung von Arbeitsabläufen dienen.
Unser Tipp: Sind bei Ihrem Projekt die Anforderungen zu Beginn weitgehend unklar, die Ziele zu einem gewissen Grad flexibel und nur kurze Planungshorizonte möglich, dann könnten hier agile Projektmanagement-Methoden passen.
Scrum im Speziellen kann dann interessant für Sie sein, wenn Sie besonders schnell und flexibel auf Ihr Ziel hinarbeiten möchten.
Um Regeln und eine regelmäßige Sprint-Taktung für Sie und Ihre Stakeholder leichter umzusetzen, ist ein Scrum Master zur Unterstützung des Prozesses zu empfehlen.
Bei klassischen Projektmanagement-Methoden liefern Ihnen das Konzept und die darauf basierende Spezifikation die Basis für die Umsetzung. Erst am Ende geht es um die Abnahme und die Nutzung des erstellten Gesamtergebnisses.
Die Ziele sind über die Projektlaufzeit weitestgehend stabil, während Termine und Kosten flexibel sind.
Im klassischen Projektmanagement gibt es die folgenden Rollen:
Alle davon haben klare Verantwortlichkeiten.
Kommunikation ist der Schlüssel, wenn die Rollen interagieren. In klassischen Umgebungen geschieht das oft mit einem regelmäßigen Projektstatusbericht. Meetings können in folgenden Formen stattfinden:
Beim agilen Projektmanagement arbeiten Sie hingegen eher produktversionsorientiert. Die Termine und Kosten sind stabil, aber das Ziel ist flexibel (siehe Grafik oben).
In einer ersten frühen Version des Produkts kann ein Kunde sich bereits von Anfang an ein Ergebnis ansehen und dieses bewerten. Auf Basis seines Feedbacks ändern Sie den ursprünglichen Plan ab und entwickeln die darauffolgenden Versionen im regelmäßigen Dialog mit dem Kunden weiter.
In der Folge heißt das: Je intensiver Sie mit dem Kunden zusammenarbeiten, desto besser und kundennaher ist das Ergebnis Ihrer Arbeit.
Das Risiko, Überraschungen zu erleben, ist am Ende deutlich geringer als bei längerfristig vorausplanenden Methoden. Der Nutzen für den Kunden steigt pro Iteration stufenweise an.
Unser Tipp: Sprechen Sie von Beginn an mit Ihren Stakeholdern darüber, dass agile Projektmanagement-Methoden eine intensive Mitarbeit des Kunden erfordern. Nur so funktionieren sie gut.
Machen Sie ihnen und auch Ihrem Team bewusst, dass diese mit einer gewissen Offenheit für neue Arbeitsweisen einhergehen sollten.
Aber betonen auch, dass es völlig normal ist, wenn sich diese Prozesse zunächst einmal etablieren müssen. Denn der Reifegrad von Scrum-Teams wächst erst mit zunehmender Erfahrung.
Die Frage, die Sie sich für die Auswahl der richtigen Projektmanagement-Methode stellen sollten, lautet: Kann ich es mir erlauben, meine Ziele flexibel zu gestalten?
Natürlich muss ein Produkt auch dazu geeignet sein, sich in bereits nutzbare Einzelteile zerlegen zu lassen. Bei einem Bauprojekt ist das oft schwieriger als bei Software, da erst das Gesamtergebnis überhaupt einen Zweck erfüllt.
In Scrum gibt es drei wichtige Rollen:
Der Product Owner ist eine Person, die speziell für die Produktanforderungen zuständig ist und die Stakeholder repräsentiert.
Scrum Master sorgen für die Umsetzung des Scrum Prozesses. Sie unterstützen das Team und kümmern sich um die Beseitigung von Hindernissen.
Hinweis: Scrum Master können übrigens zur Unterstützung ihrer Arbeit und besseren Beherrschung der Theorie auch eine Zertifizierung erlangen. Ein Scrum Seminar mit Scrum Master Zertifizierung gilt als die inhaltlich grundlegendste der möglichen Ausbildungen. So kann sie auch für andere Scrum Teammitglieder hilfreich sein.
Das Entwicklerteam als dritte Rolle in Scrum hat viel Eigenverantwortung, es:
Auch das Team gibt bei agilen Projektmanagement-Methoden wichtiges Feedback in Reviews und Retrospektiven, nicht nur die Stakeholder.
In Scrum sind die Rollen klar verteilt – jedoch legt Scrum (im Projektmanagement-Methoden Vergleich mit klassischem PM) andere Schwerpunkte, was die Projektverantwortung betrifft.
Unser Tipp: Machen Sie sich mit dem Scrum Guide vertraut, um mehr über die Rollen zu erfahren, bevor Mitarbeitende diese einnehmen. Selbstverständlich können Ihre Teammitglieder die bisherigen Berufsbezeichnungen behalten und dennoch in Scrum-Rollen agieren.
Kommunikation: Hinter den im Scrum Guide beschriebenen Meetings steht der Gedanke, dass möglichst wenige Besprechungen notwendig sein sollen. Durch die bereits genannten Meetings wie
sollten Themen weitestgehend abgedeckt werden.
Wenn Stakeholder auf formaler Berichterstattung beharren, können Sie diese – zumindest laut Theorie – auf Scrum Boards und ähnliche Informationsmittel verweisen oder ihnen die Teilnahme an den Reviews anbieten.
Das Sprint Backlog gibt transparent wieder, woran momentan gearbeitet wird. Produktdemonstrationen in den Reviews dienen ebenfalls der Transparenz.
Unabhängig von der Methode können Sie auf solides Ressourcenmanagement für Projektportfolios im Unternehmen nicht verzichten. Dafür benötigen Sie eine zentrale Datenbasis, die in ihrer Komplexität nur ein Project Management Office koordinieren kann.
Agile Methoden arbeiten mit festen Produkt- / Projektteams. Dadurch erleichtert sich die Ressourcenplanung wesentlich.
Auf Projektleitungsebene reicht das aber nicht aus: Unabhängig von agilen oder klassischen Projektmanagement-Methoden müssen Sie zur Ermittlung der tatsächlichen Verfügbarkeit, Abwesenheiten und Linientätigkeiten berücksichtigen.
Durch die Zuweisung von Ressourcen auf einzelne Vorgänge in klassischen Projekten ergeben sich aufgrund der unterschiedlichen Endtermine Schwierigkeiten beim Wechsel zwischen Projekten. Die Produktivität wird unter Umständen negativ beeinflusst (s. Bild unten, linke Seite).
Deutlich einfacher wird der Übergang von Mitarbeitenden von einem Projekt in ein anderes, wenn Sie die Zusammensetzung einzelner Teams mindestens über einen Sprint hinweg konstant lassen.
Und stimmen Sie zudem in mehreren Projekten die Sprintlängen und -taktung aufeinander ab. So können Wechsel jeweils zum Sprintende reibungsloser erfolgen (siehe Bild rechts).
Unser Tipp: Versuchen Sie den gleichen Planungstakt über alle Projekte einzuhalten, damit der Wechsel von Teammitgliedern reibungslos erfolgen kann.
Lesetipp: Ressourcenkonflikte in Projekten – kann agile Planung diese verringern?
Wenn Sie agile Projektmanagement-Methoden in Betracht ziehen, dann sollten Sie einige wichtige Punkte beachten:
Hybrides Projektmanagement ist im Grunde nichts anderes als eine Mischform der oben beschriebenen Projektmanagement-Methoden. Dies kann verschiedene Formen annehmen – im folgenden nur vier Beispiele für hybride Modelle:
Wie können Sie klassische, agile und hybride Projektmanagement-Methoden nun mit Software abbilden?
Wenn in agilen Projekten zum Beispiel die Projektleitenden mit Microsoft Project bzw. MS Project Server arbeiten und Mitarbeitende ihre Aufgaben mit Atlassian Jira nachverfolgen, macht die MS Project + Jira Integration Sinn.
Bei der Übertragung der Daten durch die Integration der beiden Systeme werden
In Jira werden die aus Microsoft Project übertragenen Epics mit Issues detailliert geplant und der Aufwand z.B. in Story Points ergänzt. Die Summe der Story Points wird pro Epic zurück nach Microsoft Project übertragen. Das bringt den Projektleitenden Klarheit bei der Planung und später bei der Überwachung der Fertigstellung.
Übrigens: Auch tatsächliche Stundenangaben und Statusinformationen von Arbeitspaketen können Sie so synchronisieren.
Die Integration von MS Project mit Jira ist nur ein Beispiel für eine Möglichkeit, komplexe Projektplanung mithilfe gewählter Methoden in Software nachzuvollziehen und zu steuern.
Unser Tipp: Weiterhin gibt es Möglichkeiten, bewährte und gewohnte Programme miteinander zu verbinden. Anstatt die Softwarelandschaft in Ihren Unternehmensbereichen auszutauschen, sollten Sie sich über die Möglichkeiten von Integration Middleware informieren.
Dann kann jeder mit dem für sie / ihn gewohnten und vielleicht auch am besten geeigneten Tool weiterarbeiten – bei deutlich besseren Daten als Grundlage für das Unternehmensmanagement.
Sie haben in diesem Artikel erfahren, warum agile Projektmanagement-Methoden so stark gefragt sind. Und Sie kennen jetzt die Unterschiede zu klassischen und hybriden Planungsmethoden.
Außerdem konnten Sie lesen, wann welche Methode am besten geeignet ist:
Zusammenfassend lässt sich sagen: Es gibt sie nicht, die „eine richtige Methode“, die für alle Projekte gilt. Die passende Methode müssen Sie jeweils für die gegebene Projektsituation auswählen.
Haben Sie noch Fragen zum Thema agiles vs klassisches Projektmanagement? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme über das Kontaktformular oder auf anderem Wege. Wir antworten so schnell wie möglich – garantiert.
Unsere Tipps zum Schluss: Abonnieren Sie unseren Projektmanagement Newsletter mit mehr MS Project Tipps, praxisstarken Artikeln, Webinaren, Podcasts, eBooks etc. für einen höheren Reifengrad Ihres Projektmanagements!
Sie wollen das Gelernte zu hybridem Multi-Projektmanagement vertiefen, weitere wichtige Tipps erfahren und Ihre Fragen stellen? Dann sind Sie genau richtig beim TPG Seminar Hybrides Projektmanagement.