Wenn Projekte starten, aber die zugesagten Ressourcen fehlen, wird aus Planung schnell Krisenmanagement. Projektleitende verschieben Termine, Teamleitende jonglieren Kapazitäten und Prioritäten ändern sich im Wochentakt. Klare Ressourcenplanung-Prozesse schaffen hier Verlässlichkeit.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Abstimmung zwischen Projekt und Linie effizient organisieren. Sie lernen die unterschiedlichen Anforderungen von Linien- und Matrixorganisationen kennen.
Zudem erfahren Sie, wie ein passender Planungstakt häufige Umplanungen reduziert und verlässlichere Ressourcenzusagen ermöglicht. Konkrete Prozessabläufe zeigen Ihnen, wie Projekt- und Teamleitende Bedarfe, Kapazitäten und Zusagen sinnvoll abstimmen.
So schaffen Sie eine belastbare Grundlage für Ihre Ressourcenplanung.
Etablieren Sie klare Ressourcenplanung-Prozesse zwischen Projekt und Linie. So wissen Projektleitende frühzeitig, welche Ressourcen tatsächlich verfügbar sind und können verlässlicher planen.
Planen Sie Ressourcen nicht ständig neu. Ein abgestimmter Planungstakt reduziert unnötige Änderungen und entlastet Projekt- sowie Teamleitende.
Trennen Sie Bedarf und Zusage klar voneinander. Projektleitende melden ihren Ressourcenbedarf, während Teamleitende verfügbare Kapazitäten prüfen und verbindlich zusagen.
Passen Sie den Prozess an Ihre Organisationsform an. Linien- und Matrixorganisationen benötigen unterschiedliche Abläufe für Anfrage, Abstimmung und Ressourcenzusage.
Schaffen Sie Transparenz über Bedarf und Kapazität. Dadurch erkennen Sie Engpässe früher, können Prioritäten gezielt abstimmen und vermeiden unrealistische Ressourcenzusagen.
Folgende Kapitel warten auf Sie:
Legen wir los!
Hinweis: Unter taktischer Ressourcenplanung verstehen wir die Abstimmung zwischen Projekt und Linie. Diese ist abhängig von der Organisationsform im Unternehmen (Matrix oder Linie).
Ziel ist es, den Bedarf an Ressourcen mit benötigten Skills für Projekte zeitnah durch Mitarbeitende aus der Linie zu decken. Diese Arbeit ist zumeist die Aufgabe der Teamleitungen.
Projektleitende brauchen die Ressourcenzusagen von den Linienverantwortlichen möglichst schnell, damit sie damit in ihren Projekten zeitnah planen können. Aber diese Zusagen sollen auch verlässlich sein. Wie ist das zu schaffen?
Vor diesem Hintergrund ergeben sich diese Herausforderungen für Teamleitende:
Der Schlüssel zum Erfolg der Prozesse in der Ressourcenplanung liegt daher im Vereinbaren eines Planungstaktes. Dieser kann wesentlich zur Beruhigung des Planungsprozesses beitragen.
Passend zu den Projektlaufzeiten in Ihrem Unternehmen sind Länge und Dauer des Taktes zu definieren. Die Durchführung der Planung und Abstimmung muss organisatorisch dauerhaft leistbar sein.
Es gilt:
Wir empfehlen den Start mit einem monatlichen Takt. So überfordern Sie die Organisation nicht und sichern die Akzeptanz. Verkürzen Sie den Takt, wenn die Dynamik es erfordert und das System funktioniert.
Unser Tipp: Starten Sie mit einem monatlichen Planungstakt. So überfordern Sie die Organisation nicht und sichern die Akzeptanz. Verkürzen Sie auf 3-2 Wochen, wenn die Dynamik es erfordert und das System funktioniert.
Einigen Sie sich mit allen Beteiligten darauf, die Ressourcenplanung für den aktuellen und den nächsten Takt nur in Notfällen zu ändern. Es sollte immer nur der Ressourceneinsatz für die darauffolgenden Takte neu geplant werden.
Das spart Ihnen im Unternehmen viel Koordinationsaufwand. Denn so wird nicht ständig angepasst, sondern Umplanungen erfolgen nur im festgelegten Takt.
Dieses Vorgehen zwingt alle Beteiligten zur besseren Abstimmung. Und die Effizienz in der Umsetzung wird gefördert, weil alle Mitarbeitenden länger störungsfrei arbeiten können.
Ad-hoc-Änderungen gibt es nur im äußersten Notfall!
Die folgende Grafik stellt so eine Prozesstaktung über die Ebenen der beteiligten Rollen dar.
Hier ein Beispiel aus der Praxis (vergleiche Grafik oben):
Unser Tipp: Vereinbaren Sie mit allen Beteiligten, die Ressourcenplanung für den aktuellen und den nächsten Takt ausschließlich in Notfällen zu ändern. Erst der Ressourceneinsatz für die darauffolgenden Takte darf wieder neu geplant werden.
Im Folgenden lesen Sie über den Unterschied der Planungsprozesse in der Linien- und der Matrixorganisation.
Das folgende Video zeigt, wie Sie eine optimale Umgebung zur Abstimmung über Ressourcenbedarf und -zusicherung zwischen Projekt und Linie realisieren können.
In der Linienorganisation wird nicht über Personen, sondern über Termine für Liefergegenstände verhandelt. Die Projektleitung plant, welche Liefergegenstände sie bis wann benötigt.
Diese Anforderungen gibt sie an die betroffenen Teamleitungen weiter. Die Detailplanung erfolgt dann in der Linie.
Die Projektleitung hat mit der Ressourcenplanung auf der Ebene von Personen nichts zu tun.
In der Linienorganisation haben Projektleitende hauptsächlich mit der terminlichen Koordination von Projekten und Teilprojekten bzw. Arbeitspaketen zu tun. Die Koordination der Ressourcen findet innerhalb der Linie (Abteilungen / Gruppen) statt und wird von den Teamleitenden erledigt.
Hier können Sie mit stabil getakteten Prozessen und klassischen PM-Werkzeugen, die eine transparente Multiprojektverwaltung erlauben, sehr gute Ergebnisse erzielen.
Teamleitende können bei einer Linienorganisation auch mit PM-Werkzeugen arbeiten. Schließlich müssen sie die Details wie Vorgänge und Zeiten samt Abhängigkeiten für ihr Team selbst planen (siehe folgende Grafik).
Unser Tipp: Als Erweiterung für Microsoft Project Server ist TPG ProjectLink ein bewährtes Tool für Ressourcenplanung in der Linie.
Neben den Projektaufgaben lassen sich auch Linientätigkeiten im Projektplan für das Team verwalten. Somit muss die Teamleitung nur einen einzigen Plan pflegen, der alle Aufgaben des Teams beinhaltet:
Der Abstimmungsprozess zur Ressourcenplanung sieht in einer Linienorganisation etwa so aus:
Wichtig ist hier, dass sowohl die Projektleitenden als auch die Teamleitenden in ihren eigenen Plänen arbeiten. Diese werden dann miteinander verglichen.
Unser Tipp: Achten Sie darauf, dass niemand die Daten des anderen ändern kann! Auf diese Weise können Projekt- und Teamleitung unabhängig voneinander planen.
Trotzdem sollten die Planungen aber technisch miteinander verbunden sein. So kann ein Datenaustausch zur gegenseitigen Information stattfinden und als Grundlage für die Abstimmung über die Ressourcen dienen.
In einer Matrixorganisation sieht es ganz anders aus.
Hier planen die Projektleitenden ihre Projekte traditionell mit detaillierten Vorgängen. Diesen ordnen sie dann Personen oder Fähigkeiten / Skills (generische Ressourcen) zu.
Welche Personen sie zugesprochen bekommen und in welchem Umfang, entscheiden aber die Teamleitenden der jeweiligen Teams. Diese müssen alle Anfragen von verschiedenen Projektleitenden, aber auch Abwesenheiten und Linientätigkeiten ihrer Teammitglieder betrachten, um die möglichen Zusicherungen auszuloten.
Allerdings macht es meist keinen Sinn, diese Zusagen auf Ebene der einzelnen Vorgänge zu geben. Die Teamleitenden müssen in der Regel nicht wissen, welchen Vorgängen ihre Mitarbeiter zugeordnet sind. Für sie ist interessant, welche Personen ihres Teams wann in welchen Projekten engagiert sind. Dazu reicht die Abstimmung mit der Projektleitung auf Ebene der Projekte.
Lesetipp: Ressourcenmanagement einführen – so geht’s schnell und erfolgreich in 6 klaren Schritten
In der Matrixorganisation haben die Teamleitenden die unangenehme Aufgabe, sich um die Zusicherung der benötigten Ressourcen aus verschiedenen Projekten zu kümmern.
Dies ist mit klassischen Werkzeugen für Projektmanagement meist nicht hinreichend erfüllbar. Der Grund ist, dass die Zusicherung der Teamleitungen nicht als eigener Datenbestand geführt wird. Meist ist er nur kenntlich gemacht als Status am Projekt oder Vorgang.
Das Problem hierbei: Bei Verschiebungen im Projekt werden Personenzusagen, die nur mit einem Status versehen sind, einfach mit den Vorgängen mitverschoben. Zusicherungen werden von den Teamleitungen aber immer nur für bestimmte Zeiträume gegeben.
Schließlich müssen dieselben Ressourcen auch an anderen Projekten arbeiten. Verschiebungen führen also normalerweise zu Ressourcenkonflikten, die neu diskutiert werden müssen.
Für die Abstimmung ist es nötig, dass Projektleitende und Teamleitende eigene Plandaten auf Ebene der Projekte führen. Diese müssen dann verglichen werden (siehe folgende Grafik).
Existiert nur die Planung der Projektleitenden, dann sind die Teamleitungen den Projektleitungen – zumindest datentechnisch – völlig ausgeliefert. Sie können keine eigenen Vorschläge zur Lösung erarbeiten, ohne dass sie die Planung der Projektleitenden ändern.
Sie können auch nicht mit allen Projektleitenden gleichzeitig verhandeln.
Für Zusicherungen an die Projekte brauchen Teamleiterinnen und Teamleiter vorher noch die Planung der Abwesenheiten und Linientätigkeiten. Nur auf dieser Basis können sie die echte Projektverfügbarkeit der individuellen Mitarbeitenden ermitteln.
Unser Tipp: Ein speziell für die Teamleitenden geschaffenes Ressourcenplanungs-Tool zur Teamplanung, das alle o.g. Anforderungen für die erfolgreiche Ressourcenabstimmung zwischen Projekt und Linie in der Matrixorganisation abbildet, unterstützt hier optimal.
Und so sieht der Ressourcenplanung-Prozess in der Matrixorganisation aus:
Unser Tipp: Sorgen Sie dafür, dass die Teamleitenden in der Matrixorganisation eine eigene Planung haben, in der sie auch Abwesenheiten und Linientätigkeiten verwalten.
Nur auf dieser Basis lässt sich eine fundierte Aussage zur Projektverfügbarkeit geben, mit der die Projektleitenden dann zuverlässig rechnen kann.
Im folgenden Video sehen Sie ein passendes Tool, das die Ressourcenplanung zwischen Projekt und Linie hervorragend unterstützt.
In diesem Artikel haben Sie gelernt, dass die Prozesse für die taktische Ressourcenplanung abhängig von der Organisationsform sind. Die Abstimmungsprozesse für die Linien- und die Matrixorganisation sind Ihnen jetzt geläufig.
Für beide Organisationsformen sollten Sie sicherstellen, dass Sie eine geeignete Prozesstaktung etabliert haben. Denn Ihre Teamleitenden können nicht jeden Tag mehrfach Ressourcenanfragen für die nächste Woche sicher beantworten.
Anfragen für den übernächsten und die darauffolgenden Takte müssen während der aktuellen Taktlaufzeit gesammelt und erst zum Stichtag beantwortet werden.
Sorgen Sie dafür, dass die Zusicherungen des aktuellen Taktes so stabil wie möglich bleiben und nur in Ausnahmefällen geändert werden dürfen. Dieses Vorgehen ermöglicht allen Beteiligten eine verlässliche Ressourcenabstimmung.
Haben Sie noch Fragen zum Thema PMO-Berichte? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme über das Kontaktformular oder auf anderem Wege. Wir antworten so schnell wie möglich – garantiert.
Unsere Tipps zum Schluss: Abonnieren Sie unseren Projektmanagement Newsletter mit mehr praxisstarken Artikeln, Webinaren, Podcasts, eBooks, Checklisten, Tools etc. für einen höheren Reifengrad-Level Ihres Projektmanagements!
Sie wollen das Gelernte vertiefen, weitere wichtige Tipps erfahren und Ihre Fragen stellen? Dann sind Sie genau richtig beim TPG Ressourcenplanung Seminar.