Wenn Sie Argumente sammeln wollen zur Einführung eines Projektmanagement-Office (PMO), tun Sie sich vermutlich leicht: Einsparungen durch eine effizientere und erfolgreichere Projektabwicklung. Komplizierter wird es aber, wenn Sie beweisen müssen, dass sich ein PMO auch wirklich für das Unternehmen lohnt. Wie erstellen Sie Kennzahlen im Projektmanagement in Form von PMO KPIs (Key Performance Indicator)? Wie messen Sie den PMO-Nutzen, wie seine Akzeptanz?
In diesem Artikel finden Sie Anregungen, wie Sie beim Erstellen von PMO-Kennzahlen bzw. von KPIs im Projektmanagement vorgehen und worauf Sie achten sollten.
Diese Kapitel warten auf Sie:
Los geht’s!
Oft wird der PMO-Anteil am Unternehmenserfolg weder gemessen noch ausreichend kommuniziert. Das kann zu der Wahrnehmung führen, dass Projektmanagement-Offices keinen oder einen nicht ersichtlichen Nutzen bringen.
Um uns ein Bild vom Allgemeinzustand des PMO zu machen, führten wir im Jahr 2020 in Deutschland, Österreich und Schweiz eine ausführliche PMO-Umfrage durch. Wir befragten 588 Personen von 450 verschiedenen Unternehmen, von denen 73 % bereits ein PMO hatten.
Wir baten sie, ihre Zufriedenheit mit dem PMO einzustufen, mit dem Ergebnis:
In dieser Studie teilten wir die Befragten in drei Gruppen nach Leistungsstufen, d.h. in Low-Performer, High-Performer und Top-Performer.
Die Unterteilung erfolgte auf Basis der Antworten zur Einhaltung der Endtermine und des Budgetrahmens sowie der Lieferung der geforderten Qualität.
Bei den Top-Performern war der Anteil der mit dem PMO „sehr zufriedenen“ Teilnehmenden sehr viel höher. Sie waren dreimal so zufrieden wie High-Performer und siebenmal so zufrieden wie Low-Performer.
Eine weitere wichtige Erkenntnis der Studie war, dass der positive Einfluss des PMO auf das Projektmanagement mit der Länge des PMO-Bestehens größer wird. PMOs, die es schon über fünf Jahre gab, hatten vor allem die Top-Performer.
„Die Zufriedenheit mit dem PMO steht im direkten Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit bei der Projektabwicklung, der Dauer der PMO-Existenz und der Anzahl der PMO-Mitarbeitenden.“ (Quelle: TPG PMO-Studie, S. 21)
Ein Key Performance Indicator (KPI) ist eine Kennzahl, die sich auf den Erfolg bzw. die Leistung, z.B. einer organisatorischen Einheit wie eines Projektmanagement-Office, bezieht.
Lässt sich dieses Empfinden, ein äußerst nützliches PMO zu haben, durch PMO KPIs wirklich messen und der Nutzen nachweisen?
Dieser Artikel zeigt, wie Sie den Nutzen Ihres PMO und Projektmanagements mit KPIs untersuchen können.
Die Ergebnisse sollten es Ihnen ermöglichen, die richtigen Verbesserungen umzusetzen und dadurch die Lebenszeit und Leistung Ihres PMO zu erhöhen.
70 % der PMOs besitzen keinen formalen Prozess zur Bewertung ihres Wertbeitrags, so der PMO Research Report 2024 von „The PMO Squad“ aus den USA.
Also gilt es, einen Prozess und Möglichkeiten zur Bewertung zur Verfügung zu stellen.
Zum Nachweis des Nutzens Ihres PMO sollten Sie ein Set an Kennzahlen definieren (PMO KPIs) und mit Ihren Stakeholdern abstimmen. So erhöhen Sie für Ihr PMO die Wahrscheinlichkeit eines langfristigen Bestehens.
Im Folgenden finden Sie verschiedene qualitative und quantitative Themen zur Messung des Mehrwertes, die Sie als Basis für Ihr Bewertungsverfahren verwenden können. Im Wesentlichen lassen sich drei Bereiche für das Projektmanagement-Office unterscheiden:
Lesetipp: Wirtschaftliche Projektsteuerung mit Multiprojektmanagement-KPIs
Die folgende Grafik zeigt, wie Sie quantitative Messungen zur Arbeit und dem Reifegrad des PMO durchführen könnten. Die Beispiele lassen sich alle messen und die Entwicklung und der Erfolg somit nachweisen.
Bereiche für die messbaren Größen, aus denen sich PMO KPIs abbilden lassen, sind:
Als Beispiel sei hier die Liste aktiver Projekte genannt: In Ihrem Unternehmen laufen 100 aktive Projekte, in der Projektliste sind aber nur 80 aufgeführt. Bei einigen sind nicht alle Werte für Ampeln, Kosten etc. gesetzt. Zudem ist bei mehr als der Hälfte der letzte Statusbericht älter als 4 Wochen.
Hier haben Sie einen messbaren Verbesserungsbedarf.
Die meisten Themen können mit Abfragen aus dem aktuellen Datenbestand beurteilt werden.
Die Akzeptanz, wie die Arbeit des PMO tatsächlich gesehen wird, können Sie nur mit der wiederholten Befragung der Stakeholder ermitteln.
Hier könnten folgende Fragen gestellt werden:
3) Vom PMO beeinflusste Ergebnisse
Ist das Projektmanagement-Office in seiner Arbeit erfolgreich, so hat es auch einen Anteil am Unternehmenserfolg. Diesen Umstand können Sie allerdings nicht so einfach messen wie die oben dargestellten Themen.
Hier geht es um die Bewertung der Auswirkungen, die oft nur indirekt spürbar sind.
Beispielsweise wäre die Erhöhung des Projektdurchsatzes ein wünschenswertes Ziel. Hierbei ist es einfach für Sie, die Anzahl der erfolgreich durchgeführten Projekte in einem Portfolio z.B. pro Jahr zu messen.
Allerdings hat diese Zahl aufgrund der Unterschiede zwischen den Projekten (Komplexität, Laufzeit, Aufwand, Kosten, …) nur eine bedingt verwertbare Aussage. Beachten Sie dies unbedingt!
In der oben erwähnten PMO-Studie wurde zwischen den quantitativen und qualitativen Messungen des PMO-Nutzens unterschieden.
Für die quantitative Nutzenmessung stellten wir die Frage „Welche der folgenden projektbezogenen Daten ermitteln Sie zum Nachweis des quantitativen Nutzens Ihres PMO?“
Fragen, die Sie in diesem Zusammenhang stellen könnten, wären:
Quantitative Messungen des PMO-Nutzens sind bei Firmen weiter verbreitet, da die Nutzenmessung hier einfacher ist als beim qualitativen Nachweis.
Dennoch sind qualitative Messungen wertvoll. Als Teil der PMO-Studie wollten wir von den Teilnehmenden wissen, ob sie ihre Stakeholder regelmäßig zu diesem Zweck befragten.
Für die Umfrage bei den Stakeholdern, schlugen wir Fragen zu verschiedenen Themen vor. Zum Beispiel:
Eine PMO-Studie der GPM von 2013 / 2014 befasst sich mit der Betrachtung des PMO-Erfolges. Sie gibt fünf Bereiche an, die Sie zur Bestimmung des Erfolgs Ihres PMO messen können:
Lesetipp: Reifegrad im Projektmanagement erhöhen und Projekterfolg messen
Die Untersuchungen und Studien des amerikanischen Project Management Institute (PMI®) zeigen einen deutlichen Paradigmenwechsel beim Bewerten von Projekterfolg: Termin-, Kosten- und Scope-Einhaltung spielen nicht mehr die einzige Rolle, sondern zunehmend Werte wie:
PMI definiert im „Project Success“-Paper von 2025 Projekterfolg inzwischen als:
„Successful projects deliver value that is worth the effort and expense.“
Das wirkt sich direkt auf die PMO-Erfolgsmessung aus.
Die PMI Studie zu High-Performing PMOs aus 2024 zeigt, dass erfolgreiche PMOs andere Kennzahlen messen, als die nicht so erfolgreichen. Dies sind insbesondere:
Erfassen Sie zuerst den Anfangszustand als Basis für Ihre Messungen.
Mit regelmäßigen Messungen können Sie darauf aufbauend die Veränderungen dokumentieren und die Entwicklungen entsprechen darstellen. Das ist außerdem eine wichtige Basis zur Ableitung eines Reifegrades.
Umfragen und Messungen können Sie entweder durch das PMO selbst durchführen lassen oder über externe PMO-Beratung. Mit externer Unterstützung steigern Sie die Akzeptanz der Umfrageergebnisse innerhalb des Unternehmens, weil dadurch keine Eigenbewertung erfolgt.
Unser Tipp: Die wesentliche Voraussetzung für das Messen von Verbesserungen ist die Erfassung des Anfangszustandes ist. Halten Sie diesen unbedingt fest, um später vergleichen zu können.
Um den Erfolg in Ihrem PMO bzw. Projektmanagement mit KPIs messen zu können, gehen Sie vor wie folgt:
Wählen sie aus der Liste oben die Kennzahlen aus, die Sie für Ihren Bedarf als relevant ansehen.
Anschließend sollten Sie diese Auswahl mit Ihren Stakeholdern abstimmen. Hierzu ist auch festzulegen, wie häufig Sie über die aktuellen Werte dieser Kennzahlen berichten.
Im Laufe der Zeit wird sich entsprechend dem Reifegrad und Ihren Zielen das Aufgabenfeld des PMO auch ändern. Stellen Sie sich also darauf ein, dass die Festlegung des Bewertungsverfahrens keine einmalige Angelegenheit ist.
Oftmals lässt sich durch Festlegen der zu bewertenden Themen im Umkehrschluss auch das Aufgabengebiet besser definieren.
Stellen Sie allen Mitarbeitenden die Ergebnisse der Bewertung bzw. Umfragen – am besten im PMO-Portal – zur Verfügung. Machen Sie kein Geheimnis daraus.
Steuern Sie gegen, falls sich eine Entwicklung in die falsche Richtung abzeichnet.
Dokumentieren Sie die geplanten bzw. erfolgten Maßnahmen, sodass das PMO offensichtlich lebendig gestaltet wird.
Ihr Projektumfeld ist sicherlich dynamisch, das PMO darf hier nicht hinterherhinken. Sorgen Sie für die Bekanntheit des Nutzens, indem Sie darüber regelmäßig aktiv berichten.
Unser Tipp: Feiern Sie Projekterfolge und holen Sie sich positive Aussagen von Projektleiterinnen und Projektleitern sowie anderen Stakeholdern, wie Sie vom PMO profitiert haben.
In diesem Artikel haben Sie erfahren, dass sich der PMO-Nutzen mit Kennzahlen nicht durch eine einzige Methode allein bestimmen lässt. Vielmehr sind hierfür die individuellen PMO-Aufgaben in Ihrem Unternehmen mit zu berücksichtigen.
Dafür haben wir Anregungen aufgelistet, wie Sie den Mehrwert Ihres PMO individuell messen können und was Sie dabei beachten sollten. Messen lassen sich dabei:
Daraus sollten Sie dann Bewertungsverfahren passend zu Ihrer Umgebung zusammenzustellen.
Haben Sie noch Fragen zum Thema KPIs im Projektmanagement? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme über das Kontaktformular oder auf anderem Wege. Wir antworten so schnell wie möglich – garantiert.
Unsere Tipps zum Schluss: Abonnieren Sie unseren Projektmanagement Newsletter mit mehr praxisstarken Artikeln, Webinaren, Podcasts, eBooks, Checklisten, Tools etc. für einen höheren Reifegrad Ihres Projektmanagements!
Sie wollen das Gelernte vertiefen, weitere wichtige Tipps erfahren und Ihre Fragen stellen? Dann sind Sie genau richtig beim TPG PMO-Seminar.